Die Bedeutung des Kopf-Kiefersystems bei Tinnitus

Apr 05

Die Bedeutung des Kopf-Kiefersystems bei Tinnitus

Seit vielen Jahren besteht eine heftige Diskussion der verschiedenen medizinischen Fachgruppen darüber, ob und auf welchem Mechanismus eine Fehlfunktion des Kausystems Ursache eines subjektiven Tinnitus werden kann.

In der täglichen Praxis trifft man immer wieder auf Menschen, die darüber berichten, wie sie durch Anspannung ihrer Kaumuskeln beim Essen, aber auch durch nächtliches Knirschen und Pressen mit den Zähnen, einen Tinnitus erzeugen oder einen bestehenden Tinnitus verstärken können. Hier wäre dann von einer direkten Auswirkung der Nerveninformationen aus dem Mund-Kieferbereich auf die Hörwahrnehmungen auszugehen.

Außerdem kennen wir heute die intensiven Verbindungen zwischen den Funktionen des Mund-Kieferbereichs und der oberen Halswirbelsäule. Wir können kauen, ohne mit dem Kopf zu wackeln. Wir können sprechen und dabei den Hals drehen, ohne dass beide einander stören. Hier gibt es eine sehr feine Nervenabstimmung zwischen dem vorderen und dem hinteren Teil des Kopfes. Nach anatomischen Studien, ist es heute unstrittig, dass es zwischen den Steuerungen dieser beiden Funktionen – der Kaufunktion und der Halswirbelsäulenfunktion – eine sehr enge Verzahnung gibt, die man Konvergenz nennt. Damit hat das Kauorgan auch indirekt mittels der Halswirbelsäule eine Auswirkung auf das Aufkommen oder die Dauer von Tinnitus.

Auch die anatomischen Nervenbahnen und ihre Funktionen zwischen den Nerven des Kopf- Kiefersystems, dem sog. craniomandibulären System, und den Hörnerven wie auch dem Gleichgewichtssystem sind heute weitgehend aufgeklärt. Der Akutfall: Beim plötzlichen Auftreten eines Tinnitus, einer sonstigen Hörstörung oder Hörminderung lässt sich zumeist die genaue Ursache dieses Phänomens nicht gleich ermitteln. In diesen Fällen, in denen keine sichere Ursache beschrieben werden kann, sollten mit der Erkenntnis über die Wechselwirkung der Nervenfunktion auch die Funktionsstörungen des sog. craniomandibulären Systems sofort mit in die Überlegungen zur umfassenden Diagnostik einbezogen werden.

Der Akutfall

Beim plötzlichen Auftreten eines Tinnitus, einer sonstigen Hörstörung oder Hörminderung lässt sich zumeist die genaue Ursache dieses Phänomens nicht gleich ermitteln. In diesen Fällen, in denen keine sichere Ursache beschrieben werden kann, sollten mit der Erkenntnis über die Wechselwirkung der Nervenfunktion auch die Funktionsstörungen des sog. craniomandibulären Systems sofort mit in die Überlegungen zur umfassenden Diagnostik einbezogen werden.

Dabei lassen sich eher selten die Einflüsse des craniomandibulären Systems aus einem Röntgenbild des Kiefergelenks oder Zahnstatus erkennen. Wichtiger ist hier die gezielte Funktionsuntersuchung durch den Zahnarzt.

Wichtig ist, dass die Beseitigung der störenden Fehlfunktion und der Schmerzinformation aus dem Kieferbereich so schnell wie möglich geschieht. Die ersten zahnärztlichen Maßnahmen sollten daher innerhalb der ersten Woche nach dem Auftreten der Ohrgeräusche bzw. der Hörminderung erfolgen.

Der chronische Fall

Ist ein Tinnitus durch eine Fehlfunktion des craniomandibulären Systems chronisch geworden, so kann nicht erwartet werden, dass die zahnärztliche/kieferorthopädischen Maßnahmen zur Beseitigung der craniomandibulären Fehlfunktionen unbedingt auch zu einem Verschwinden der lästigen Geräusche führen.

Eine zahnärztlich-kieferorthopädische Behandlung wird im chronischen Fall nicht das Ziel haben, den Tinnitus zu beseitigen, sondern sie will ihn mindern und einer Verschlimmerung vorbeugen! Das Versprechen, einen langandauernden Tinnitus durch Therapie einer craniomandibulären Fehlfunktion zu beseitigen, ist unseriös.

Die Behandlung der craniomandibulären Fehlfunktion ist heute nur interdisziplinär möglich. Nachdem so viel über die verschiedenen Wechselwirkungen in unserem Nervensystem bekannt ist, wird jeder Zahnarzt, der sich als Alleinherrscher über dieses System wähnt, in seiner Therapie scheitern. In sinnvoller und gezielt geplanter Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten und Osteopathen wird es jedoch in den meisten Fällen gelingen, ein dekompensiertes craniomandibuläres System soweit zu neutralisieren, dass ein weitergehender störender Einfluss auf die Hör-Kerne des Stammhirns unterbunden wird.