Lange Leitung vom Zahn zum Zeh

Nov 13

Lange Leitung vom Zahn zum Zeh

Der Kiefer ist über Muskeln und Nerven mit der Wirbelsäule – und so mit dem ganzen restlichen Körper- verbunden. Tritt im Biss ein Problem auf, kann es in alle Richtungen ausstrahlen. Orthopäden können etwa 80 % der Rückenschmerzen nicht behandeln. Oft liegt das daran, dass die Schmerzen durch ein Problem im Kiefer ausgelöst werden. Aber auch Kopfschmerzen und Tinnitus bis hin zu einem schiefen Becken und Knieproblemen können die Folge einer CMD sein.

In Deutschland sind laut dem CMD-Dachverband e.V. etwa 7 Mio. Menschen betroffen. Sie leiden oft jahrelang unter Beschwerden und machen zahllose Therapien, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Denn dafür müssen Zahnärzte, Physiotherapeuten und Neurologen den Körper als Ganzes betrachten und über ihre Fachgebiete hinaus zusammenarbeiten. Doch das ist selten der Fall.

Hier ein Beispiel:

Auch Maik Stöcker kannte die Ursache seiner Beschwerden lange nicht. Vor sechs Jahren hatte er Tinnitus auf dem linken Ohr, Schmerzen in der linken Schulter und einen Hexenschluss bekommen. Mit seinen Rückenschmerzen wandte sich der 32-jährige an einen Orthopäden, mit dem Tinnitus an einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Der Orthopäde gab ihm Schmerzspritzen, der HNO-Arzt verschrieb ihm eine Tinnitus-Therapie. „Das ist ganz typisch“.

Der Zusammenhang zwischen Kiefer und Körper sei weitestgehend unbekannt. „Orthopäden können deshalb keine Ursache feststellen und behandeln nur die Symptome“.

Ein Physiotherapeut, der sich auf CMD-Behandlungen spezialisiert hat, erklärt, warum die Beschwerden aber oft nicht auf den Kopf beschränkt bleiben: „Aus Selbstschutz versucht der Körper ständig, Verspannungen mit Fehlhaltungen auszugleichen“. Dazu nutze er Muskeln und Nerven, die in einem intelligenten System zusammenspielen.

Im Hirnstamm werden eingehende Informationen über verspannte Muskeln und belastete Knochen und Gelenke automatisch ausgewertet. Daraufhin sendet das Gehirn Signale an andere Muskeln. Sie ziehen sich zusammen und balancieren das Ungleichgewicht dadurch aus.

Bei Maik Stöcker waren es wahrscheinlich die Muskeln im Nacken und in der linken Schulter, die seine Kieferfehlstellung ausgelichen. Durch die Anspannung in der Schulter verkürzten sich die Muskeln auf der einen Seite seiner Wirbelsäule. Da diese Muskeln auch am Becken ansetzten, zogen sie auf dieser Seite die Hüfte und damit auch das Bein nach oben. Dieses Schutzsystem verschafft uns einen enormen Puffer.“Aber wenn es erschöpft ist, kommen die Schmerzen“. Wahrscheinlich hatte Maik Stöckers Körper lange Zeit die Asymmetrie des Kiefers ausgeglichen.