Titandioxidpartikel in unserer Nahrung / Teil 1

Dez 08
Titandioxidpartikel in unserer Nahrung

Titandioxidpartikel in unserer Nahrung
Teil 1

Auswirkungen auf die Verträglichkeit von Titanimplantaten

Eine vor kurzem veröffentlichte Studie der Universität von Sydney über die Auswirkungen von Titanoxidpartikeln (TiO2) im Darm regt die internationale Diskussion über die Verwendung von Titandioxid in unseren Lebensmitteln, gekennzeichnet durch E 171 wieder erneut an.

Titandioxid: E 171 und Cl 77891 – wo uns im Alltag die Nanopartikeln begegnen

Der Weißmacher Titandioxid ist mittlerweile aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Der Konsum hat im letzten Jahrhundert stark zugenommen mit weiterhin steigender Tendenz. Der Zusatz E 171 befindet sich in Arzneimitteln, Kunststoffen, Kaugummis, Lacken, Kleidung und auch in unserer Nahrung, wie beispielsweise Mozzarella, Fertigsuppen und Süßigkeiten.

Unter der Bezeichnung Cl 77891 ist der Stoff in Kosmetikprodukten wie Zahnpasta oder als Nanopartikel in Sonnencremes enthalten. Hier ist zu beachten, dass vor allem von Sprayanwendungen, die eingeatmet werden können, das höchste Risiko für eine krebserregende Wirkung gegeben ist und vom Bundesinstitut für Risikobewertung deswegen davon abgeraten wird, diese zu benutzen.

Offizielle Reaktionen auf die Verwendung von Titandioxid

Weltweit wird die Chemikalie Titandioxid im Millionen-Tonnen-Maßstab produziert, allein in Europa sind es mehr als 1 Million Tonnen pro Jahr. Die EU-Kommission will Titandioxid als Gefahrenstoff einstufen mit dem Warnhinweis „möglicherweise krebserregend“. Diese Risikobewertung ist durch die EU-Chemikalienbehörde ECHA bereits 2017 bei der Inhalation von Titandioxid erfolgt.

In Tierversuchen konnten die Nanopartikel zum Teil tief in die Lunge eindringen und chronische Entzündungen hervorrufen, bei Ratten bildeten sich Lungentumore.

Die französische Regierung hat bereits reagiert und verbietet ab dem Jahr 2020 die Verwendung von Titandioxid in Lebensmitteln für mind. ein Jahr. Ein französisches Forscherteam veröffentlichte im Jahre 2017 eine Studie des Institut National de la Recherque Agronomique (INRA), bei der Ratten Titandioxid als Trinkwasser über 100 Tage verabreicht wurde. In Folge zeigten sich Effekte auf die Immunzellen der Peyer’schen Plaques, also dem Ort im Darm, an dem Immunantworten initiiert werden, durch eine herabgeregelte Expression von T-Zellen sowie Veränderungen der Darmschleimhaut. Zudem waren bestimmte Entzündungsparameter erhöht und eine mögliche tumorfördernde Wirkung wurde berichtet.

Drei weitere Studien der letzten Jahre, beweisen, dass die Darmdurchlässigkeit sich durch Titandioxid erhöht und die proinflammatorische Zytokinausschüttung ansteigt. Zudem kann eine Auswirkung auf die Ovarien des Menschen nicht ausgeschlossen werden, und es wurde gezeigt, dass Titandioxid gentoxisches Potenzial hat, indem es die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies fördert. Diese stellen eine hochreaktive Verbindung dar und können in hoher Konzentration zu oxidativem Stress führen, weshalb sie mit verschiedenen Erkrankungen wie Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert worden sind.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung erkennt dennoch keine belastbaren wissenschaftlichen Argumente, die es rechtfertigen würden, die Verwendung von Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff zu verwenden. Die Ergebnisse geben aber zu Denken.

Quelle: Dr. Rebekka Hueber, SDS Swiss Dental Solutions