Umwelt-ZahnMedizin: Dentalmaterialien als Auslöser des chronischen Müdigkeitssyndroms?

Mai 23
Dr. med. dent. Wolfgang H. Koch

Umwelt-ZahnMedizin: Dentalmaterialien als Auslöser des chronischen Müdigkeitssyndroms?

Hinter dem chronischen Müdigkeitssyndrom (chronic fatigue syndrome, kurz CFS) verbirgt sich ein sehr komplexes Krankheitsbild. Die Diagnose der diffus erscheinenden Symptome ist für (Zahn-) Mediziner nicht einfach. Häufig bringt erst die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Umwelt-ZahnMedizinern, Allergologen und Zahntechnikern Krankheitsursachen und -wirkungen ans Licht.

CFS-Patienten leiden an einer durchgehenden geistigen und körperlichen Erschöpfung – auch ohne adäquate Belastungen –, die durch längere Ruhephase nicht vorüber geht. Definitionsgemäß hält die chronische Müdigkeit mindestens sechs Monate an. Kopf- und Halsschmerzen sowie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sind weitere Symptome der Krankheit. In Deutschland sind schätzungsweise 800.000 bis 1,5 Millionen Bundesbürger von der Krankheit betroffen, in den USA geht man von etwa 15 Millionen CFS-Erkrankten aus.

Die Anamnese Diffuse Krankheitsbilder können viele Ursachen haben. Autoimmunerkrankungen, chronische Stoffwechselstörungen, Organerkrankungen oder Psychosen sind nur einige der möglichen Auslöser für Abgeschlagenheit, Schmerzen und Konzentrationsstörungen. Woher die Beschwerden kommen, ist für Mediziner zunächst nicht ersichtlich. Eine umfangreiche Diagnostik, durchgeführt von einem Team unterschiedlichster Fachrichtungen, ist notwendig, um der CFS auf die Spur zu kommen. Hierbei spielen Umwelt-ZahnMediziner eine entscheidende Rolle.

Die Wirkkette: von Dentalmaterialien …

Im Zahnersatz enthaltene Metalle und Kunststoffe wirken als potentielle Allergene, da sich Partikel lösen, an körpereigene Eiweiße und Zellen binden und so Sensibilisierungsreaktionen auslösen können.

… zur Beeinflussung des Immunsystems …

Unabhängig vom ihrem Sensibilisierungspotential können Dentalwerkstoffe, vor allem Zahnmetalle, bei einer entsprechenden genetischen Disposition zahlreiche Funktionen der spezifischen und unspezifischen Immunabwehr beeinflussen. Dabei haben sie sowohl eine stimulierende als auch hemmende Wirkung. Im Falle des chronischen Müdigkeitssyndroms leiten die Dentalmaterialien letztendlich eine chronische immunologische Fehlregulation mit Entzündungszeichen ein. Dies geschieht über die vermehrte Freisetzung inflammatorischer Zytokine.

… bis zu Störungen des neuroendokrinen Systems

Doch die Dentalmaterialien wirken nicht nur direkt auf das Immunsystem. Indirekt haben sie auch Einfluss auf das hormonelle System, genauer die HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse). Bei CFS-Patienten ist das neuroendokrine System – und vor allem der Hypothalamus – gestört. Erniedrigte Cortisol-Spiegel sind die Folge. Das bleibt nicht ohne Konsequenzen, denn das Hormon hat entscheidenden Einfluss auf den Körperstoffwechsel, das Immunsystem und Gehirn. Gerade komplexe Prozesse wie Aufmerksamkeit oder Gedächtnis werden partiell durch Cortisol kontrolliert. Cortisol ist jedoch auch als „Stresshormon“ bekannt und wird bei unbekannten, gefährlichen Situationen vermehrt ausgeschüttet. Durch den geringen Cortisol-Spiegel können sich CFS-Patienten schlecht konzentrieren, ihr Kurzzeitgedächtnis ist beeinträchtigt und die Fähigkeit, adäquat auf Stress zu reagieren, ist abgeschwächt.

Umfangreiche Diagnose

Hat ein Patient CFS-Symtome und können andere Erkrankungen wie chronische Stoffwechselstörungen ausgeschlossen werden, folgt eine umfassende Laboranalytik. Hier untersuchen Experten immunologische, hormonelle und toxikologische Parameter. Als Biomarker des Schadstoffmetabolismus dienen Daten der individuellen Suszeptibilität (genetisch determinierte Enzymaktivität, Molekulargewicht) und des oxidativen Stresses (freie Radikale, die durch Antioxidantien nicht mehr abgefangen werden können).

Interdisziplinäre Zusammenarbeit notwendig

Aufgrund der Vielzahl an regulativen Wechselwirkungen und der äußerst komplexen Prozesse ist für eine korrekte Diagnose die Zusammenarbeit von Spezialisten erforderlich. Umwelt-ZahnMediziner, Allergologen, Zahnärzte, Zahntechniker und erfahrene Laboranten bilden hier ein interdisziplinäres Team, das letztendlich Dentalmaterialien als Auslöser des chronischen Müdigkeitssyndroms identifizieren kann.

Für eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen, gerade bei Beschwerden unklarer Ursache, sind Umwelt-ZahnMediziner von großer Bedeutung. Sie sind in Besonderem für komplexe Erkrankungen geschult und sehen Interaktionen, die ihren Kollegen zum Teil verborgen bleiben. Über das von der Internationalen Gesellschaft für Ganzheitliche ZahnMedizin (GZM) ins Leben gerufene Netzwerk “Umwelt-ZahnMedizin” haben interessierte Mediziner nun Gelegenheit, sich mit anderen (Fach-)Ärzten umfassend auszutauschen. In Kooperation mit dem Deutschen Bundesverband der Umweltmediziner hat die GZM zudem das interdisziplinäre Curriculum Umwelt-ZahnMedizin entwickelt. Darüber können sich Ärzte als Umwelt-ZahnMediziner qualifizieren und das entsprechende fachübergreifende Wissen erlangen.

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