Vor dem Sport auf den Zahn fühlen

Sep 17

Vor dem Sport auf den Zahn fühlen:

Sport ist gesund. Problematisch wird es jedoch, wenn dabei immer wieder Schmerzen auftreten, oder der Körper seine Leistungsfähigkeit verliert. Doch was tun, wenn die Ursache für die Beschwerden im Dunkeln bleibt oder Therapien nicht greifen? In diesem Fall ist es ratsam, die Zähne genauer zu untersuchen.

Immer mehr Menschen treiben in ihrer Freizeit intensiv Sport, so wie Heike K (32). Die Büroangestellte aus Bochum joggt jeden zweiten Tag nach der Arbeit, Mitte des Jahres war ihr die Lust am Laufen allerdings vergangen. „Ich war schon nach wenigen Metern fix und fertig. Ich fühlte mich erschöpft und wollte mich nur noch hinlegen.“ Anfangs dachte sie, dass es sich um eine vorübergehende Schwäche handelt. Doch die gewohnte Leistungsfähigkeit wollte sich nicht mehr einstellen. Nachdem sie verschiedene Allgemeinärzte und einen Internisten aufgesucht hatte, stellte sie sich einem Heilpraktiker vor, der ihr zu einer gründlichen Untersuchung der Zähne riet. Ein Besuch beim Zahnarzt ergab dass entzündete Zahnwurzeln die Ursache ihrer Abgeschlagenheit und Leistungsschwäche waren.

Der ganzheitliche Blick ist gefragt

Immer wieder sind Patienten darüber verwundert, dass kranke Zähne den ganzen Körper in Mitleidenschaft ziehen können. Auf dieser Erkenntnis beruht aber die Sport-ZahnMedizin. Viele akute und chronische Erkrankungen haben ihre Ursache in der Mundhöhle. Dass kranke Zähne beispielsweise die Gelenke schädigen oder den gesamten Organismus schwächen können, ist eine Erfahrung, die gerade Sport treibende Menschen und erst recht Spitzensportler machen.

Der Fußballspieler Carsten Ramelow musste entzündete Backenzähne entfernen lassen, damit seine Achillessehne wieder heilte, und den ehemaligen Spieler von SchalkeO4 Emile Mpenza verließen die rätselhaften Musekelschmerzen erst, als ihm in der Praxis Dr. Koch & Partner entzündete Weisheitszähne gezogen wurden.

So hat es seinen Grund, dass bei sportlichen Großereignissen wie einer Fußballweltmeisterschaft oder en Olympischen Spielen stets Zahnärzte im Betreuungsteam mitreisen Rund 40% aller Athleten müssen bei sportlichen Großveranstaltungen zahnärztlich behandelt werden, schätzt das olympische Komitee.

Bakterien gehen auf Reisen

Grundsätzlich sind kranke Zähne also ein Gesundheitsrisiko für den ganzen Körper, doch beim Sport ist dieses Risiko u.U. noch erhöht. Oft bemerken Patienten überhaupt erst während ihres gewohnten Fitnessprogramms, dass irgendetwas nicht stimmt. Warum ist das so?

Zunächst muss man wissen, dass unser Herz-Kreislauf-System bei sportlicher Betätigung auf Hochtouren läuft. Die Muskeln, die beim Laufen, Schwimmen oder Radfahren harte Arbeit leisten müssen, brauchen mehr Sauerstoff und Nährstoffe.

Der Herzmuskel pumpt stärker, damit das mit Sauerstoff und Nährstoffen angereicherte Blut über die Adern in die kleinsten Blutgefäße transportiert wird, die die Muskeln durchziehen. Der ganze Körper ist also stark durchblutet. Aus diesem Hintergrund wird deutlich, welche Folgen wurzeltote oder kranke Zähne haben können. In abgestorbenen Zahnwurzeln bilden sich Bakterien, die giftige Stoffwechselprodukte ins Blut abgeben. Diese Giftstoffe können über die Blutbahn in den gesamten Organismus gespült werden und dort Organe oder Gelenke schädigen.

Während des Sports ist unser Herz-Kreislauf-System also besonders „effektiv“ dabei, Bakterien in die kleinsten Winkel unseres Organismus zu leiten. Rheumatische Beschwerden, Schulter– und Knieschmerzen, Blasen- und Nierenentzündungen gehen nicht selten auf schwere bakterielle Entzündungen an den Zähnen zurück.

Wie kann nun einem Patienten mit entzündeten Zahnwurzeln geholfen werden?

Die Therapie besteht in einer sog. endodontischen Behandlung.

Dabei werden zunächst alle Krankheitskeime mit flexiblen Titanpfeilen entfernt. Mit Hilfe eines Lasers können selbst feinste Wurzelverästelungen gesäubert werden, so dass das Zahninnere schließlich fast keimfrei ist. Um die erneute Besiedelung durch Bakterien zu vermeiden, werden die Kanäle mit kautchukähnlichen Stiften, die mit einer Paste angelöst werden, abgedichtet. Schließlich wird der Wurzelkanal mit einer Kunststofffüllung verschlossen.

Besonders aufmerksam sollten Menschen sein, die unter einer chronischen Krankheit leiden und Sport treiben. Nehmen wir nur den Diabetes mellitus: Zahlreiche Studien haben belegt, dass es zwischen einer Parodontitis, also der schweren bakteriell verursachten Zahnbettentzündung, und einem Diabetes mellitus zu gefährlichen Wechselwirkungen kommen kann. Der Diabetes kann die Entstehung einer Parodontitis begünstigen, umgekehrt erschwert die Parodontitis die Einstellung des Blutzuckers. Für chronisch Kranke, die Sport treiben, ist also eine Abklärung der Zahngesundheit ganz besonders wichtig.

Ein falscher Biss bringt alles aus dem Gleichgewicht.

Es gibt weitere Störfälle in der Mundhöhle, die gerade beim Sport besonders zum Tragen kommen können. Dazu gehört der Fehlbiss, in der Fachsprache „craniomandibuläre Dysfunktion“ (CMD) genannt. Bei Patienten, die unter einem Fehlbiss leiden, schließen der Ober- und der Unterkiefer nicht richtig. Durch den falschen Biss kommt es zu Fehlbelastungen im Mund- und Kieferbereich.

Hierdurch verschiebt sich nicht nur allmählich der Unterkiefer. Die umliegenden Muskeln im Kauapparat verspannen und verhärten sich. Und nun kommt es zu einer Kettenreaktion. Die Muskelverspannung dehnt sich auf das Muskelsystem aus, welches das Skelett stützt und gerade hält. Die Verspannung kann somit auch die HWS, die Nacken- und Schultermuskulatur und die Wirbelsäule erfassen. Da Muskeln wie Gummizüge arbeiten, ist es sogar möglich, dass sich Skelett und Gelenke verziehen. Manchmal werden hierdurch auch Nerven eingeklemmt. Bedenkt man, dass beim Sport Muskeln, Gelenke und die Wirbelsäule stark belastet werden, so wird verständlich, warum ein Fehlbiss den Bewegungsapparat hierbei besonders stark schädigen kann. Typisch sind Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule, Knie-, Nacken- und Schulterschmerzen, Kopfschmerzen, aber auch Ohrgeräusche und Migräne.

Der ganzheitlich orientierte Zahnarzt ist sich der komplexen Wechselbeziehungen, die bei einem Fehlbiss vorliegen, bewusst und wird daher bei der Therapie auf die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen setzen. Zunächst wird die richtige Position des UK bestimmt, anschließend erhält der Patient eine Aufbiss-Schiene bzw. falls nötig, eine festsitzende Spange. Auch Torwart Manuel Neuer brauchte übrigens eine Biss-Schiene, um seine Gelenkprobleme los zu werden. Bei einem Fehlbiss ist es allerdings nicht damit getan, allein die Zähne zu behandeln. Der gesamte Körper muss wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Aus diesem Grund arbeitet die Sportzahnmedizin im Netzwerk mit Sportmedizinern, Physiotherapeuten, Orthopäden und Spezialisten für Naturheilkunde eng zusammen.

Zahnersatz – eine Frage der Verträglichkeit?

Schließlich können auch Füllungen und Zahnersatz den Körper so stark belasten, dass er weniger leistungsfähig oder sogar krank wird. Nicht nur Amalgam, auch hochwertige Legierungen verlieren Masse. Kronen und Brücken geben Metalle ab, die über den Darm in den Gesamtorganismus gelangen. Sie können den Körper so stark stimulieren, dass das Immunsystem überreagiert. Allergien und Autoimmunerkrankungen sind dann die Folge. Bei betroffenen Leistungs- und Freizeitsportlern führen wir u.a. eine sog. „Effektorzelltypisierung“ durch, um festzustellen, ob eine Gesundheitschädigung durch Füll- und Zahnersatzmaterialien vorliegt. Dazu nehmen wir ein wenig Material von Brücken oder Kronen ab und kontaminieren es mit dem Blut des Patienten. Konnte eine Gesundheitsschädigung nachgewiesen werden, entfernen wir die schädigenden Materialien aus der Mundhöhle und ersetzen sie durch bioverträgliche Werkstoffe, wie z.B. Vollkeramik. Besser ist es natürlich, wenn die Verträglichkeit eines Zahnersatzmaterials im Vorhinein getestet wird.

Vor dem Sport zum Zahnarzt?

Es wäre natürlich zu weit gegriffen, nun jedem Sporttreibendem zu raten, den Zahnarzt aufzusuchen. Doch es gibt bestimmte Fälle, in denen eine zahnärztliche Untersuchung anzuraten ist. Wenn die Leistungsfähigkeit spürbar abnimmt und dafür keine Ursache gefunden wird, wenn Schmerzen rätselhaft bleiben oder eine chronische Erkrankung vorliegt, ist der Besuch bei einem ganzheitlichen Zahnarzt sinnvoll.

In diesem Fällen sollten Sie einen ganzheitlich praktizierenden Zahnarzt aufsuchen:

  • Sie haben bereits Allgemeinärzte, Internisten und andere Spezialisten aufgesucht. Dennoch bleibt die Ursache Ihrer Beschwerden unklar und Therapien fruchten nicht.
  • Sie fühlen sich schwach und sind auch beim Sport nicht mehr leistungsfähig.
  • Sie haben eine chronische Erkrankung und fühlen sich immer weniger belastbar.
  • Sport ist inzwischen eine Strapaze.
  • Ihr Kiefergelenk schmerzt und ist verspannt, beim Essen oder Sprechen knackt es öfter. Sie leiden oft unter Kopfschmerzen oder Migräne.
  • Sie haben ständig Nasennebenhöhlenentzündungen und Atemwegsinfekte.
  • Sie leiden unter Allergien oder Neurodermitis.
  • Ihre Gelenke und ihr Rücken schmerzen. Die Beschwerden sind während oder nach dem Sport besonders stark

Dr. med. dent. Wolfgang H. Koch verfügt über eine langjährige Erfahrung in der zahnmedizinischen Betreuung von Leistungssportlern. Ferner ist er wissenschaftliches Mitglied des Beirats der interdisziplinären Gesellschaft für Umweltmedizin e.V. und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Forums natürliche Zahngesundheit e.V. und Umwelt-ZahnMedizin e.V.