Wirken sich Veränderungen der Unterkieferlage auf sportmotorische Tests aus?

Feb 07

Wirken sich Veränderungen der Unterkieferlage auf sportmotorische Tests aus?

In der Zahnmedizin wird ein Aufbissbehelf bzw. eine Schiene bekanntlich eingesetzt, um das craniomandibuläre System funktionell vor Belastungsschäden durch Bruxismus und Pressen zu bewahren. Aber wirkt sich der Einsatz einer individuell angefertigten biodynamischen Aufbiss-Schiene auch auf die Leistungen eines Sportlers aus? Dieser Frage wurde im Rahmen einer Pilotstudie nachgegangen. Tatsächlich beeinflusste die Schiene für den Unterkiefer die sportmotorische Leistungsfähigkeit der Probanden positiv. Dies dürfte nicht nur für die Sportler unter Ihren Patienten interessant sein.

Die sportbedingten Verletzungen der Gesichtsschädelknochen und der Gesichtsweichteile bringen eine Morbidität von 13 % mit sich. Daher wird zur Vermeidung von Unterkieferfrakturen und Kiefergelenksverletzungen bei einigen Sportarten, wie z. B. Feldhockey, Boxen, Eishockey oder Handball, ein Mundschutz eingesetzt, welcher die obere und die untere Zahnreihe abdeckt. Wie sich das Trageneines Mundschutzes auf die körperliche Beweglichkeit oder die Leistungsfähigkeit auswirkt, ist bisher eher selten untersucht worden.

Einige Studien zu diesem Thema liegen allerdings vor. Lai et al. beschäftigten sich mit dem Einfluss der Okklusion auf die sportliche Leistungsfähigkeit. Die 30-köpfige Untersuchungsgruppe wies im Gegensatz zu den 10 Probanden der Kontrollgruppe eine craniomandibuläre Dysfunktion auf. Für beide Gruppen wurden Schienen angefertigt, die in der ersten Gruppe die Dysfunktion behob und in der zweiten eine Dysfunktion auslöste. Beide Gruppen führten auf einer Kontaktmatte Sprungübungen und einen mechanischen Belastungstest mit und ohne Schienen aus. Die Sprungzeiten und die Ausdauer beim Belastungstest der ersten Gruppe verlängerten sich durch die Schiene. Die zweite Gruppe verschlechterte sich durch das Tragen der Schiene. Was die Haltung angeht, so wirken sich nicht alle craniomandibulären Dysfunktionen darauf aus; in dieser Hinsicht müssen die craniomandibulären Dysfunktionen vielmehr individuell betrachtet werden.

Mehrere Studien bestätigen den positiven Einfluss einer veränderten Okklusion bzw. eines Aufbissbehelfs auf die Körperhaltung. Bracco et al. kamen zu der Erkenntnis, dass allein verschiedene Positionen der Unterkieferlage Probanden zu einer Änderung der Körperhaltung veranlassen. Der Vergleich zwischen maximaler Interkuspidation, Ruheschwebelage der Mandibula und myozentrischer Position zeigte posturographisch ein signifikant besseres Ergebnis in myozentrischer Position. Hier offenbarten die Probanden ein stabileres Gleichgewicht. Urbanowicz et al. konnten einen Zusammenhang zwischen der Okklusion und der Kopf- und Nackenmuskulatur belegen, indem sie anhand von 30 Probanden zeigten, dass eine Erhöhung der Vertikalen im Kieferbereich eine Dehnung der Kopfund Nackenmuskulatur bewirkt. Sakaguchi et al. untersuchten den Einfluss veränderter Unterkieferpositionen auf die Körperhaltung und umgekehrt.

Im Rahmen der Pilotstudie von Ohlendorf et al. wurde auch bei Sportlern eine biodynamische Aufbiss-Schiene eingegliedert. Subjektiv konnten die Sportler, die diese Schiene während sportlicher Aktivitäten getestet haben, bestätigen, dass sie damit leistungsfähiger seien. Die Steigerung der Leistungsfähigkeit bzw. eine Leistungssteigerung ist jedoch von vielen Varianten abhängig und kann durch diese beeinflusst werden. Das Ziel der Pilotstudie bestand darin, zu überprüfen, welchen Einfluss die biodynamische Aufbiss-Schiene im Vergleich zu einer herkömmlichen Schiene auf ausgewählte sportmotorische Tests hat.

Die übergeordnete Fragestellung dieser Pilotstudie lautete:

  • Verändern sich die Ergebnisse der sportmotorischen Tests durch das Tragen der Schiene?
  • Gibt es einen Unterschied zwischen der herkömmlichen Aufbiss-Schiene (sog. Bruxerschiene) und der biodynamischen Aufbiss-Schiene hinsichtlich der einzelnen Fähigkeiten, die mit dem jeweiligen Test geprüft werden?

U.a. wurden folgende sportmotorische Tests durchgeführt:

Sprungkraft, Beweglichkeit / Dehnfähigkeit des Schultergürtels, der Brust- und Lendenwirbelsäule in Rotation / Beweglichkeit / Dehnfähigkeit der Brust- und Lendenwirbelsäule sowie der ischiokruralen Muskulatur in Friktion / Standbalance, Kraftausdauer des vorderen Schultergürtels.

Fazit:

Anhand der Pilotstudie wird deutlich, dass eine biodynamische Aufbiss-Schiene auch im sportmotorischen Bereich eingesetzt werden kann. Die Ergebnisse der sportmotorischen Tests verbessern sich, und die Qualität der Bewegungsaufgaben steigt. Bei den herkömmlichen Bruxerschienen konnten diese Veränderungen nicht belegt werden. Der Vergleich zwischen den beiden Schienen zeigt, dass, je nach Konzeption und Behandlungsstrategie , die Wirkung der sog. Aufbiss-Schienen sehr unterschiedlich sein kann. Die biodynamischen Aufbiss-Schienen sind zu bevorzugen.