Zahnimplantate – eine Risiko-Nutzen-Abwägung bei chronisch belasteten Patienten

Jul 05

Zahnimplantate – eine Risiko-Nutzen-Abwägung bei chronisch belasteten Patienten:

Verschiedene Faktoren (zum Beispiel: Diabetes, Osteoporose, Rauchen, Herz-Kreislauferkrankungen) können zu einer möglichen Verschlechterung der Implantat-Erfolgsrate führen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass eine implantat-prothetische Versorgung betroffener Patienten generell kontraindiziert ist. Vielmehr ist eine individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung erforderlich.

Aufgrund der demoskopischen Entwicklung werden Implantat-Therapien auch bei älteren Patienten immer häufiger. Zwei zentrale Fragestellungen stehen bei diesen Patienten im Vordergrund:

Muss der Patient für eine Implantation ganz gesund sein?
Gibt es ein Höchst-Alter für Implantat-Patienten?

Es gibt Erkrankungen, die ein höheres Risiko darstellen können. Dazu gehören Diabetes, Osteoporose und schwere Herz-Kreislauferkrankungen. Im Einzelfall muss hier eine genaue Risiko-Nutzen-Abwägung in Kooperation mit allen behandelnden Ärzten des Patienten und dem ganzheitlich tätigen Zahnarzt erfolgen. So wird z.B. einem Patienten, der unter chronischen Magen-Darm-Problemen leidet, sicher nicht von der Implantation abgeraten werden. Hier ist der Erhalt einer guten Kaufähigkeit von besonderer Bedeutung, da eine für den Magen-Darm-Trakt notwendige ballaststoffreiche Kost diese fordert.

Auch die Frage nach einem Höchst-Alter für Implantat-Patienten, also die Frage, ob sich der Eingriff noch lohnt, kann nicht generell beantwortet werden. Entscheidend ist nicht das nominelle Alter, sondern das biologische. Die Implantation bei einem 50-jährigen Patient nach Organverpflanzung stellt in der Regel ein höheres Risiko dar als das nominelle Alter von 80 Jahren bei einem rüstigen Patienten mit guter Knochenstruktur. Auch hier ist also eine individuelle Betrachtung notwendig.

Überblick über mögliche Einschränkungen

    • Diabetes mellitus

Medikamentös gut eingestellter Diabetes mellitus stellt nach neuester wissenschaftlicher Erkenntnis keine Einschränkung für eine Implantat-Versorgung dar.

    • Osteoporose

Die Osteoporose stellt keine grundsätzliche Kontraindikation für Implantat-Therapien dar.
Die Behandlungsplanung sollte allerdings auf die Erkrankung abgestimmt und ggf. Implantate mit einem größeren Durchmesser und einer vorbehandelten Oberfläche verwendet werden.

    • Vitamin D-Mangel

Durch Vitamin D- und Magnesiummangel induzierte Osteoporose kann, zumindest in Tierversuchen, durch entsprechende Supplementierungen kompensiert werden. Hier sind der ganzheitlich tätige Zahnarzt und ggf. die im Netzwerk der Praxis befindlichen, ganzheitlich tätigen Therapeuten gefordert.

    • Polymorphismus

Genetisch bedingte Interleukin-1 Polymorphismen sind nicht allein für eine gestörte Einheilung von Implantaten verantwortlich. Studienergebnisse zeigen aber, dass bei starken Rauchern mit einem IL-1 Genpolymorphismus ein erhöhtes Risiko für Implantat-Komplikationen während funktioneller Belastung und für einen periimplantären Knochenverlust besteht.

    • Rauchen

Rauchen stellt in Verbindung mit systemischen Erkrankungen noch immer einen signifikanten Risikofaktor dar. Möglichen Misserfolgen bei der Implantat-Versorgung kann durch eine vorausgehende Nikotin-Entwöhnung vorgebeugt werden.

    • Alter

Einer Implantat-Versorgung von alten Patienten mit medikamentös gut eingestellten chronischen Erkrankungen steht kein erhöhtes Risiko entgegen. Hier überwiegen die Vorteile einer verbesserten Lebensqualität und der Erhaltung der Kaufähigkeit deutlich.

    • Herz-Kreislauferkrankungen

Herz-Kreislauferkrankungen bedeuten keine Kontraindikation für eine erfolgreiche
Implantat-Behandlung. Allerdings ist eine erhöhte Vorsicht besonders bei der Einnahme von Blutverdünnern notwendig. Moderne Anti-Koagulantien ermöglichen heute eine uneingeschränkte Behandlung ohne Thromboserisiko.

    • Parodontitis chronica

Eine unbehandelte Parodontitis chronica ist eine Kontraindikation für die Implantation.
Vor einer geplanten Implantat-Behandlung muss eine Parodontitis unabdingbar abschließend behandelt worden sein. Implantate im Mund eines Parodontitis-Patienten erfordern eine lebenslange intensive Nachsorge. Implantate sind in gleichem Maße durch Entzündungen und nachfolgenden Knochenabbau gefährdet wie natürliche Zähne, wobei Krankheitszeichen am Implantat deutlich später für den Patienten sichtbar werden als am natürlichen Zahn.

    • Hormone

Bei Frauen in der Postmenopause haben Hormonersatztherapien keinen Einfluss auf die Einheilung und die Osseointegration.

    • Bisphosphonate

Für eine erfolgreiche Implantat-Behandlung bei Patienten, die mit Bisphosphonaten behandelt werden, ist die Dauer der Bisphosphonatbehandlung und die Darreichungsform der Medikamente (oral oder intravenös) entscheidend. Auch die unterschiedlichen Reaktionsweisen der Patienten spielen eine entscheidende Rolle für die Implantat-Behandlung. Um eine Kiefernekrose auszuschließen, werden etwa drei Monate nach einer Extraktion Röntgenbilder gemacht, die Aufschluss darüber geben, ob der Kieferknochen normal oder verzögert regeneriert. Nur, wenn der Kieferknochen verzögert regeneriert, sollte man mit einer Implantation zurückhaltend sein.

Auch eine Augmentation (Knochenaufbau) ist bei oraler Gabe von Bisphosphonaten möglich. Da die Einheilung verzögert ist, sollte man mit einer Belastung im Unterkiefer etwa fünf Monate (statt drei Monate) und im Oberkiefer etwa acht Monate (statt sechs Monate) warten. Die Einheilung sollte immer verdeckt geschehen. Allerdings gibt es zu diesem Thema viele unterschiedliche Meinungen. Einige Wissenschaftler sprechen sich für eine strikte Kontraindikation bei jeglicher Bisphosphonattherapie aus.

Diese Aufstellung zeigt, dass es keine wissenschaftliche Evidenz zu relativen oder absoluten Kontraindikationen einer Implantat-Behandlung bei Patienten mit chronischen Belastungen gibt. Allerdings fordert eine erfolgreiche Implantat-Versorgung die kooperative, interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Fachbereiche und setzt eine sorgfältige und regelmäßige Nachsorge voraus.

Aus Sicht der ganzheitlichen ZahnMedizin sind sowohl Prophylaxe als auch Milieu-Therapie unabdingbar für einen nachhaltigen Erfolg einer Implantat-Behandlung. Wichtigste Voraussetzung für die lange Haltbarkeit von Implantaten ist eine perfekte Mundhygiene. Daher müssen die Patienten über den Zusammenhang von Plaque-Bildung und der Periimplantitis informiert werden. So wird die Motivation zur regelmäßigen Prophylaxe und guten Mundhygiene gesteigert. Eine Milieu-Therapie stärkt die körpereigenen Abwehrkräfte und verhindert so, dass Bakterien das Implantat-Bett angreifen. Ein abwehrstarker Körper hilft eine Mucositis oder Periimplantitis zu vermeiden. Der verantwortungsvolle ganzheitlich tätige Zahnarzt sieht sich verpflichtet, vor einer Implantat-Behandlung die Materialien zu testen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass auch Titandioxid nicht absolut individuell biokompatibel istGanzheitlich tätige Zahnärzte bevorzugen deshalb heute das moderne Zirkondioxid als Implantat-Material.
Die High-Tech Keramik ist eine gesunde Alternative – auch für alle Allergiker oder metallsensible Patienten.

Verantwortungsvolle ganzheitlich tätige ZahnMediziner können in den allermeisten Fällen auch chronisch belasteten Patienten mit Implantaten eine lebenslange Kaufähigkeit garantieren und so nachhaltig eine verbesserte Lebensqualität ermöglichen.