Alles in Ordnung? Warum normales Röntgen bei chronischen Beschwerden oft täuscht
Es ist ein Satz, den viele meiner Patienten nur zu gut kennen: „Auf dem Röntgenbild ist nichts zu sehen, Ihre Zähne sind gesund.“. Doch während das Bild eine perfekte Kieferstruktur suggeriert, kämpft der Körper weiter mit unerklärlichen Symptomen wie Müdigkeit oder Gelenkschmerzen. Die Diagnose von Kieferknochenentzündung bedarf einer komplexen Diagnostik.
Das Problem liegt nicht an der Kompetenz Ihres Hauszahnarztes, sondern an der physikalischen Grenze der Technik. Ein herkömmliches Röntgenbild (Panoramaaufnahme oder OPG) ist eine flächige, zweidimensionale Aufnahme. In dieser flachen Ansicht werden verschiedene Knochenschichten übereinanderprojiziert. Eine krankhafte Veränderung im Inneren des Kiefers – die NICO oder FDOK – wird oft von der harten äußeren Knochenschale verdeckt.
Die dritte Dimension: Der Blick durch die Knochenschale
Um eine Kieferknochenentzündung wirklich sicher zu erkennen, müssen wir räumlich sehen können. In der Oralen Medizin nutzen wir hierfür die Digitale Volumentomographie (DVT).
Im Gegensatz zum 2D-Bild wandert das DVT Schicht für Schicht durch Ihren Kieferknochen. Wir können das Gewebe virtuell drehen und wenden. Dabei zeigen sich die Entzündungsherde oft als dunkle Hohlräume oder „Löcher“ im ansonsten hellen, dichten Knochen. Da diese Entzündungen meist klein und versteckt sind, ist diese dreidimensionale Analyse der einzige wissenschaftlich fundierte Weg zur Diagnose.
Das Vier-Augen-Prinzip: Doppelte Sicherheit für Ihre Diagnose
In unserer Praxis überlassen wir nichts dem Zufall. Die Diagnose einer NICO ist eine detektivische Aufgabe, die höchste Präzision erfordert. Deshalb arbeiten wir eng mit spezialisierten Oralchirurgen zusammen. Der Ablauf ist standardisiert:
- Der Chirurg erstellt die hochauflösende 3D-Aufnahme und erstellt einen ersten Befund.
- Ich schaue mir die Aufnahme unabhängig davon an, ohne vorher in den Bericht des Kollegen zu blicken.
- Erst wenn wir beide unabhängig voneinander zum gleichen Urteil kommen, steht die Diagnose fest.
Dieses Vier-Augen-Prinzip gibt Ihnen die Sicherheit, dass wir nicht „ins Blaue hinein“ therapieren, sondern auf einer soliden wissenschaftlichen Basis arbeiten.
Wenn das Blut spricht: Immunologische Tests auf Rantes
Ergänzend zur Bildgebung können wir immunologische Tests nutzen. Dabei nehmen wir Ihnen Blut ab und lassen im Labor bestimmen, ob erhöhte Entzündungsfaktoren vorliegen.
Besonders der Wert des Botenstoffs Rantes (CCL5) ist hierbei entscheidend. Er zeigt uns, wie stark die stille Entzündung im Kiefer bereits Ihren gesamten Organismus belastet. Ein Bluttest allein kann uns zwar nicht sagen, wo die Entzündung sitzt, aber er bestätigt uns im Zusammenhang mit dem 3D-Röntgen die Notwendigkeit einer Behandlung.
Es gibt auch Systeme wie das „CaviTAU“ zur Knochendichtemessung mittels Ultraschall. Da dieses Verfahren wissenschaftlich jedoch noch nicht vollends anerkannt ist, verlassen wir uns in der Praxis Dr. Koch lieber auf die fundierte 3D-Röntgendiagnostik.
Expert Insight: Das "Silent" in Silent Inflammation - Eine Kieferknochenentzündung ist tückisch, weil sie meistens nicht weh tut. Die Nervenenden im betroffenen Bereich sterben oft ab, sodass kein Warnsignal am Entstehungsort ausgelöst wird. Der Schmerz zeigt sich dann oft an ganz anderen Stellen im Körper – dort, wo das Immunsystem durch die ständige Botenstoff-Belastung kapituliert.
Ihr Weg zur Klarheit
Haben Sie das Gefühl, dass Ihre chronischen Beschwerden eine Ursache haben, die bisher niemand gefunden hat? Lassen Sie uns mit moderner Technik und jahrzehntelanger Erfahrung nachsehen.
